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Gut verpackt – wie Ihr Eure Archivschätze sicher aufbewahrt

 

 

Stand: Oktober 2025

Jedes Objekt zeigt früher oder später Zeichen des Verfalls: Bilder verblassen, CDs lassen sich nicht mehr auslesen, Textilien bekommen Löcher. Nichts ist für die Ewigkeit gemacht – aber Ihr könnt eine Menge tun, um diese Prozesse so lange wie möglich hinauszuzögern. Darum geht es in diesem Kapitel.
Das Kapitel bezieht sich auf Inhalte aus der vierten Handreichung Gut verpackt – wie Ihr Eure Archivschätze sicher aufbewahrt des Digitalen Archives der Freien Darstellenden Künste und wurde gekürzt. 

Links/Quellen

Government of Canada:
Agents of deterioration

Kobold, Maria; Moczarski, Jana
Bestandserhaltung : ein Ratgeber für Verwaltungen, Archive und Bibliotheken

Artist’s Legacy Toolkit: Preserve:
The Dos and Don’ts of Preservation

BKK-Unterausschuss Bestandserhaltung
Schadenserfassung im Kommunalarchiv Vorgehensweisen und Handlungsempfehlungen

 

Weitere Links und Quellen sind in der Handreichung zu finden. 

In unseren zurückliegenden Kapiteln haben wir Euch Tipps für den Start in die Archivierung gegeben, Ihr habt erfahren, wie Ihr die Objekte erschließt und auffindbar macht  und wie Ihr die unterschiedlichen Archivalien digitalisieren könnt. Nun wenden wir uns dem Bestandserhalt zu. Denn auch wenn Ihr Eure Archivschätze digitalisieren konntet – die analogen Originale sind wertvoll, oft unersetzbar, und ihre sichere Verwahrung bleibt wichtig.

Auf dieser Seite geht es zunächst darum, welche potenziellen Gefahren es gibt und wo sie in Eurer Sammlung auftreten können. Im Anschluss stellen wir Euch Maßnahmen zum Schutz Eures Archivguts vor. Dabei konzentrieren wir uns auf vier Materialgruppen:

  • Papier (Schriftstücke, Unterlagen, Manuskripte, Poster usw.)
  • Textilien (Kostüme, Requisiten usw.)
  • Fotos (Abzüge, Negative, Dias, Ausdrucke usw.)
  • Audiovisuelle Medien und Tonaufnahmen (VHS, Audiokassetten, optische Datenträger usw.)

Ihr erfahrt, was die Materialgruppen brauchen und wie Ihr mit diesen Anforderungen umgehen könnt. Dazu gehört neben materialspezifischen Erhaltungsmaßahmen die Umlagerung in archivtaugliche Verpackungen. Diese Arbeitsschritte nehmt Ihr am besten im Anschluss an die Erschließung und Digitalisierung Eurer Materialien vor. Denn erst wenn Ihr einen Überblick über Eure Sammlung habt, könnt Ihr einschätzen, welche Verpackungen Ihr benötigt.

In Euren privaten Räumen könnt Ihr keine Bedingungen schaffen, wie sie in den Magazinen von Archiven oder Museen herrschen. Aber auf viele Faktoren, die die Alterung von Materialien beschleunigen, habt Ihr durchaus Einfluss. Wenn Ihr sie kennt und berücksichtigt, könnt Ihr die Aufbewahrungssituation zumindest deutlich verbessern.

Zu sehen ist eine Dokumentenmappe mit einer rostigen Wäscheklammer

Rost durch eine Büroklammer hat sich auf darüber gelagerten Papieren abgesetzt.

Gefahren für Euer Sammlungsgut: Die zehn Faktoren des Verfalls

Das Canadian Conservation Institute hat zehn Faktoren definiert, von denen die größten Risiken für kulturelles Erbe ausgehen. Das Konzept wurde zwar für Gedächtnisinstitutionen entwickelt, die identifizierten Bedrohungen stellen aber für private Sammlungen gleichermaßen Gefahren dar.

Es gibt verschiedene Konzepte zur Darstellung der möglichen Bedrohungen für Archivalien. Sie können in endogene (von innen einwirkende) und exogene (von außen kommende) Gefahren unterschieden werden, oder in spezifische Schadbilder aufgrund chemischer, biologischer oder mechanischer Prozesse.

1. Physikalische Kräfte

Dazu zählen besondere Belastungen der Archivalien durch Druck, Spannung oder Reibung. Diese Schäden entstehen oft durch unsachgemäße Lagerung und Nutzung, z.B. wenn zu viel Material gestapelt wird oder Objekte in zu kleinen Behältnissen lagern. Aber auch Stürze oder grobe Handhabung können zu ungewollten Materialbelastungen führen.

Maßnahmen:

  • Packt Eure Objekte materialgerecht ein – was Ihr dabei beachten müsst, erfahrt Ihr ab Seite 10.
  • Schafft einen festen Lagerort und stattet ihn mit möglichst stabilen Lagersystemen aus. Am besten eignen sich Stahlregale.
  • Geht achtsam mit Euren Materialien um und bittet auch andere um Vorsicht im Umgang.

2. Feuer

Nichts zerstört Archivgut so schnell und restlos wie Feuer. Ruß und durch den Brand freigesetzte oder entstandene Giftstoffe können weiteren Schaden verursachen, ebenso wie eingeleitete Löschmaßnahmen mit Wasser oder Löschschaum.

Maßnahmen:

  • Entsorgt mögliche Gefahrenquellen wie alte Elektrogeräte und checkt regelmäßig Kabel und Verbindungen.
  • Installiert Rauchmelder.

3. Wasser

Auch Wasser richtet in kurzer Zeit massive Schäden an. Regenfälle, Überschwemmungen, undichte Rohre – es gibt verschiedene Szenarien, die zum Eindringen großer Wassermengen führen können.

Maßnahmen:

  • Lagert Eure Sammlungen nicht auf dem Boden, in der Nähe von Rohrleitungen oder Fenstern.
  • Vermeidet Keller und Speicher als Lagerorte.

4. Schädlinge

Kleidermotten, Papierfischchen, Teppichkäfer, Schimmelpilze – es gibt viele Lebewesen, die sich gut und gerne von Archiv- und Museumsobjekten ernähren. Sie mögen es warm, dunkel, unübersichtlich und schmutzig.

Maßnahmen:

  • Entfernt alles, was nicht zu Eurer Sammlung gehört, aus den Behältnissen der Objekte.
  • Esst und trinkt nicht, während Ihr mit Eurem Sammlungsgut hantiert. Lagert es nicht in der Nähe Eurer Speisekammer oder gemeinsam mit Lebensmitteln.
  • Überprüft regelmäßig den Standort und reinigt Regale und Lagerflächen. Bevor Ihr die Kartons zurückräumt, müssen alle Flächen wieder trocken sein.
  • Bei Verdacht auf einen Befall oder zur Vorsorge kann Euch doppelseitiges Klebeband helfen: Bringt es an der Türschwelle zum Lagerort oder an den Beinen des Lagerregals an. Schädlinge gehen Euch so auf den Leim und Ihr könnt herausfinden, mit was für Tierchen Ihr es zu tun habt.

Achtung: Schimmelpilze stellen eine ernsthafte Gefahr für Eure Sammlung, aber auch für Eure Gesundheit dar. Anzeichen für Schimmel sind neben einem muffigen Geruch pelzige oder puderige Beläge, oft in bunten Farben, und Stockflecken. Entdeckt Ihr an Objekten solche Hinweise auf einen aktiven Schimmelbefall, solltet Ihr zunächst Euch selbst mit einer Atemschutzmaske schützen, bevor Ihr weiter mit den betroffenen Materialien hantiert. Trennt dann die befallenen Unterlagen von der übrigen Sammlung und kontaktiert eine*n Restaurator*in, die/der Euch zum weiteren Vorgehen beraten kann.

5. Licht und Strahlung

Die Folgen von dauerhaftem Lichteinfall habt Ihr sicher schon an Kleidungsstücken, Bildern oder anderen Dingen beobachtet – Farben verblassen, Textilfasern werden brüchig, Plastik versprödet. Besonders schädlich ist Tageslicht mit seinem hohen Anteil an UV-Strahlung. Aber auch Halogenlampen setzen Materialien auf Dauer zu.

Maßnahmen:

  • Verpackt Eure Objekte in Kartons.
  • Sorgt für einen lichtgeschützten Lagerort.

6. Falsche Lagerungstemperatur

Höhere Temperaturen bringen manche Materialien wie Wachs oder bestimmte Kunststoffe buchstäblich zum Schmelzen. Auch Papier und Textilien leiden unter Hitze. Sie werden dann schneller brüchig. Und auch zu niedrige Temperaturen können Archivgut schaden. Bei Minustemperaturen können sich winzige Eiskristalle bilden und empfindliche Oberflächen wie z.B. Fotoemulsion beschädigen. Dabei gilt: Unterschiedliche Materialien haben unterschiedliche Ansprüche. Was sie jeweils am liebsten mögen, erfahrt Ihr ab Seite 10.

Versucht vor allem, starke Temperaturschwankungen zu vermeiden. Sie machen allen Materialien zu schaffen. Saisonale Temperaturschwankungen überstehen Archivalien besser als häufige, schnelle Wechsel, etwa weil ein Objekt regelmäßig aus einem kühlen Lagerraum an einen geheizten Arbeitsort geholt wird.

Maßnahmen:

  • Schaut, ob Ihr einen Lagerort einrichten könnt, der sich nicht an einer Außenwand befindet, oder platziert zumindest keine Lagerregale an Außenwänden.
  • Kartons und Objekte sollten nicht auf dem Boden stehen.
  • Achtet auf eine gute Luftzirkulation.
  • Vermeidet direkte Sonneneinstrahlung.
  • Kontrolliert die Temperatur mit einem Thermometer.

7. Falsche relative Luftfeuchtigkeit

Ist es zu feucht, drohen Stockflecken, Schimmel und Korrosion, das Ausblühen (Ausschwemmen und Ablagern) löslicher Salze und die Ansiedlung von Schädlingen. Ist es zu trocken, können Materialien verspröden oder schrumpfen; es kommt leichter zu Rissen und Brüchen in Papieren, Textilien oder auch Gegenständen aus Holz oder Kunststoff. Die relative Luftfeuchtigkeit hängt eng mit der Temperatur zusammen. Mit den oben genannten Maßnahmen könnt Ihr auf beide Faktoren Einfluss nehmen.

Weitere Maßnahmen:

  • Eure Lagerfläche sollte sich in ausreichendem Abstand zu Orten befinden, an denen regelmäßig Wasserdampf entsteht wie Küche oder Bad, oder an denen hohe Temperaturen herrschen wie in einem Heizraum oder neben einem Ofen.
  • Kontrolliert die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer. Es gibt auch Kombinationsprodukte, die Temperatur und Feuchtigkeit messen. Ab Seite 10 lest Ihr, welche Empfehlungen für die einzelnen Materialien gelten.

8. Schadstoffe

Aus der Umgebung können verschiedene Schadstoffe in Eure Sammlung eindringen. Dabei kann es sich um Luftverschmutzung handeln, um Ausdünstungen am Lagerort (z.B. durch unlasierte Holzregale) oder um chemische Abbauprodukte von Büroartikeln (z.B. Rost durch eine Büroklammer). Sogar im Sammlungsgut selbst können Schadstoffe enthalten sein, die unter ungünstigen Lagerungsbedingungen freigesetzt werden (mehr dazu unter „Papier“).

Maßnahmen:

  • Nutzt keine unversiegelten Holzregale zur Aufbewahrung Eurer Objekte.
  • Entfernt Bestandteile, die Schadstoffe abgeben können, aus Eurer Sammlung: Das sind zum Beispiel Plastikfolien, Büroklammern, Tackerklammern, Plastikclips, Post-Its.
  • Packt Eure Objekte in archivgerechte Behältnisse um.

9. Verlust von Informationen und Zusammenhängen

Wenn Ihr Euer Sammlungsgut nicht geordnet aufbewahrt oder beim Umpacken versäumt, zueinander gehörende Inhalte gemeinsam abzulegen, können Zusammenhänge verloren gehen, die sich später nur noch schwer rekonstruieren lassen.

Maßnahmen:

  • Gebt Euch selbst feste Vorgaben für die Aufzeichnung von Informationen über Eure Objekte und inventarisiert Eure Sammlung. Wie das geht, erfahrt Ihr in Handreichung 2.

Beim Umpacken solltet Ihr passende archivgerechte Verpackungen zur Hand haben, in denen sich zusammenhängende Inhalte bündeln lassen.

10. Diebstahl und Vandalismus

Diebstahl stellt vor allem in externen Standorten wie Garagen, Kellern oder angemieteten Lagerflächen ein Risiko dar. Vandalismus mag auf den ersten Blick in privaten Sammlungen selten vorkommen. Wenn man das Konzept der mutwilligen Zerstörung aber um versehentliche Beschädigung erweitert, etwa durch (Enkel-)Kinder, Haustiere oder Nutzer*innen, wird klar, dass Sammlungsobjekte auch in einer privaten Umgebung entsprechenden Risiken ausgesetzt sein können.

Maßnahmen:

  • Trefft Vorkehrungen zum Schutz vor Diebstahl. Wenn Ihr Objekte extern lagern müsst, informiert Euch über bestehende Sicherheitskonzepte.
  • Bewahrt Eure Objekte außerhalb der Reichweite von Kleinkindern und Haustieren auf.
  • Wenn Ihr Objekte verleiht, legt Regeln für den Umgang damit fest.

Jetzt habt Ihr einen Überblick über die Gefahren erhalten, die Euren Archivschätzen drohen. Nicht jedes Material ist in gleichem Maß anfällig gegenüber den verschiedenen Risiken. Was Ihr beachten solltet und dafür tun könnt, damit die unterschiedlichen Materialarten in einem guten Zustand bleiben, erfahrt Ihr in den folgenden Kapiteln.

Wichtige Hinweise für alle Materialarten

Sauberkeit: Arbeitet immer an einem Tisch, den Ihr zuvor gereinigt habt. Achtet darauf, dass die Oberfläche trocken ist. Auf dem Tisch sollten sich keine Getränke oder Nahrungsmittel befinden. Bevor Ihr loslegt, wascht Euch die Hände.

Säurefreie Verpackungen: Eine wichtige Maßnahme ist die Umlagerung von Archivgut in säurefreie Verpackungen. Sie sind frei von Stoffen, die Archivalien schaden können und schützen vor Umwelteinflüssen. Ihr könnt sie online im Bürobedarf oder im Archiv-Fachhandel bestellen (sucht dazu nach „säurefreier Archivverpackung“ oder „säurefreien Archivboxen“). Es gibt sie in unterschiedlichen Qualitäten, Größen und Ausführungen für die verschiedenen Materialarten – z.B. als Boxen, Kartons, Mappen, (Pack-)Papier, Hüllen oder Umschläge. Die Verpackungen sollten die Anforderungen nach DIN ISO 16245 erfüllen. Wenn Ihr in den nächsten Kapiteln von Archivboxen, -papier oder Verpackungen lest, ist damit Verpackungsmaterial gemeint, das diese Norm erfüllt.

Der Mindestbestellwert im Archiv-Fachhandel liegt bei 60 bis 100 Euro. Kleinere Mengen (ein oder zwei Boxen) könnt Ihr im Bastel- oder Bürobedarf besorgen (achtet aber auf die ISO-Norm – nicht alles, was als „säurefrei“ deklariert ist, ist auch zertifiziert). Im Fachhandel werden die Produkte meist zu gestaffelten Preisen vertrieben – je mehr Ihr kauft, desto niedriger liegt der Stückpreis. Vielleicht könnt Ihr Euch mit anderen zusammenschließen und gemeinsam bestellen.

Papier: Dokumente, Plakate, Bücher

Wir starten mit einem Material, das sich in den meisten privaten Archiven in größerer Menge finden lassen dürfte: Papier und verwandte Stoffe wie Pappe oder Karton. Vermutlich ist es Euch an eigenen Unterlagen wie alten Schulzeugnissen oder Dokumenten älterer Familienangehöriger schon einmal aufgefallen: Papier altert. Blätter werden brüchig, ehemals weiße Seiten vergilben.

Dazu tragen Säuren bei, die bereits im Papier enthalten sind oder von außen in das Material eindringen. Papier, das zwischen 1850 und 1990 aus Holzschliff und Leim industriell gefertigt wurde, weist schon seit der Herstellung einen sauren PH-Wert auf. Das führt dazu, dass sich das Material auf Dauer selbst zersetzt.

Das bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gebräuchliche sogenannte Hadernpapier aus Leinen, Hanf- oder Baumwollfasern ist alterungsbeständiger als Papier auf Zellulosebasis. Da sich davon aber in industrieller Fertigung schnell große Mengen herstellen lassen, hat es sich ab 1850 durchgesetzt, allerdings auf Kosten der Haltbarkeit. Grund für seinen Zerfallsprozess ist eine sogenannte „autokatalytische Kettenreaktion“. Im Archiv spricht man vom sogenannten Säurefraß.

Seit den 1990er Jahren wird vermehrt alterungsbeständiges Papier hergestellt. Es enthält keine oder nur noch wenige Inhaltsstoffe, die den Zersetzungsprozess beschleunigen. Aber Schadstoffe wie Formaldehyd, Schwefeloxide, Stickoxide oder Ozon können aus der Umgebung ins Papier eingetragen werden und schädliche Reaktionen in Gang setzen. Dazu kommt, dass die meisten handelsüblichen Büroutensilien, die wir zum Abheften und Ordnen von Dokumenten verwenden, Stoffe enthalten, die säurebedingten Papierzerfall auslösen oder fördern können.

Außerdem sind die in Papier oder Karton enthaltenen Zellulosefasern hygroskopisch: Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie wieder ab, ein Vorgang, der sich auf ihre molekulare Struktur auswirkt. Je häufiger dieser Effekt auftritt, desto schneller wird das Papier brüchig und instabil.

Weitere Informationen zu folgenden Themen sind in der Handreichung zu finden. 

  • Allgemein: Vorbereitung, Reinigung und Verpackung
  • Standort
  • Großformate, Zeitungen und Bücher
  • Was tun gegen Schädlinge?
Zu sehen sind mehrere Boxen aus Papier, die übereinander gestapelt sind.

Archivboxen mit Materialien aus dem Bestand Die Bremer Stadtmusikanten des Theater o.N.

Textilien: Stoffe und Kostüme

Wie die Zellulose des Papiers haben auch die meisten Natur- oder Chemiefasern, aus denen Textilien bestehen, hygroskopische Eigenschaften. Die relative Luftfeuchtigkeit spielt schon bei der Herstellung von Textilien eine große Rolle; ist es zu trocken, können die Fasern bei der Verarbeitung, während der sie großen Belastungen ausgesetzt sind, brechen. Bei der Lagerung von textilen Geweben gehen vor allem von einer zu hohen Luftfeuchtigkeit und dem Eindringen von Wasser Gefahren aus, es drohen Stockflecken und Schimmel.

Auch Licht kann Textilien schaden. Es lässt Farben verblassen und macht Stoffe brüchig. Textilien aus Fasern tierischen Ursprungs (Wolle, Seide) sind zudem sehr anfällig für Schädlinge.

Weitere Informationen zu folgenden Themen sind in der Handreichung zu finden. 

  • Allgemein: Vorbereitung, Reinigung und Verpackung
  • Standort
  • Was tun gegen Schädlinge?

Fotografien: Abzüge, Negative, Dias

Im Zeitalter der Digitalfotografie verstehen wir unter einem Foto meist ein digitales Bild oder Ausdrucke von Aufnahmen einer Digitalkamera oder eines Smartphones. Viele kennen aber sicher noch den klassischen Fotoabzug als Ergebnis der Entwicklung eines Negativfilms. Dabei handelt es sich um den ausbelichteten Abzug eines Negativs auf lichtempfindlich beschichtetem Papier. Auf diese konzentrieren wir uns zunächst.

Säuren – aus der Umgebung oder den Verpackungsmaterialien – können dem Trägerstoff und der Fotoemulsion schaden. Verpackung und Lagerungsort haben daher großen Einfluss auf den Zustand eines Fotos. Zudem sind Fotografien ausgesprochen anfällig gegenüber Kratzern, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Schon Fingerabdrücke hinterlassen Fette und Salze, die das Altern eines Fotos beschleunigen können.

Gleichzeitig sind Fotos nicht nur Archivmaterial, sondern oft auch sehr persönliche Erinnerungsstücke, die man gerne auch Jahre nach ihrer Entstehung hervorholt, ansieht und zeigt. Gerade bei besonders geliebten Aufnahmen, die oft in die Hand genommen werden, lohnt daher die Digitalisierung. Das digitale Bild kann zwar die Haptik und besondere Aura des Originals nicht ersetzen – aber so stellt Ihr sicher, dass die Bildinhalte bewahrt werden. Wie das geht, erfahrt Ihr in Handreichung 3.

Weitere Informationen zu folgenden Themen sind in der Handreichung zu finden. 

  • Allgemein: Vorbereitung, Reinigung und Verpackung
  • Standort
  • Negative, Dias und Ausdrucke
Zu sehen sind einige Umschläge mit Beschriftungen in einer blauen Box.

Fotos aus einem Bestand des Industriesalons Schöneweide, signiert und verpackt in teils opaken, teils durchsichtigen Hüllen.

Film- und Tonaufnahmen: AV-Medien, Super 8-Filme, optische Datenträger, Tonbänder

Mitschnitte Eurer Produktionen oder Proben sind besonders wertvolle Zeugnisse Eurer Arbeit.

Wie auch Fotografien und ihre Trägermaterialien sind AV-Medien, Audiokassetten, Tonbänder und optische Datenträger sehr empfindlich. Dazu kommt, dass sie Betrachter*innen nicht direkt zugänglich sind; um sie anzuschauen, braucht es die richtigen Geräte zum Abspielen. Damit entsteht eine weitere Hürde, denn auch diese Geräte altern und gehen kaputt. Oft sind sie auf dem Markt kaum noch oder nur zu hohen Preisen erhältlich und auch Reparaturen sind sehr teuer oder wegen fehlender Ersatzteile nicht mehr möglich.

Für alle Film- und Tonaufnahmen gilt daher – unbedingt digitalisieren! Alte VHS- und Audiokassetten, die lange nicht abgespielt wurden, sind möglicherweise bereits defekt. Der Versuch, sie anzuschauen, könnte sie zerstören. In Handreichung 3 erfahrt Ihr, was Ihr beim Umgang mit diesen Medien beachten müsst.

Weitere Informationen zu folgenden Themen sind in der Handreichung zu finden. 

  • Allgemein: Vorbereitung, Reinigung und Verpackung
  • Standort
  • Super 8-Filme, optische Datenträger

Weitere Materialien

Vielleicht habt Ihr in Eurer Sammlung auch Objekte aus Materialien, die in dieser Handreichung nicht behandelt wurden, wie z.B. Holz, Metall oder Plastik, oder Objekte, die sehr groß sind, oder aus verschiedenen Stoffen bestehen. Durch die weitgehende Vermeidung der zehn Faktoren des Verfalls könnt Ihr auch für solche Objekte die Aufbewahrungsbedingungen verbessern.

Grundsätzlich gilt für jegliches Archiv- oder Museumsgut:

  • Starke Lichteinstrahlung schadet allen Objekten, egal aus welchem Material. Genauso verhält es sich mit Schwankungen der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit. Schützt sie vor diesen Faktoren.
  • Lagert zerbrechliche Objekte nicht lose in einer Verpackung mit anderen Dingen.
  • Bewahrt Gegenstände aus Plastik am besten separat auf. Sie können Stoffe absondern, die anderen Objekten schaden. Das trifft auch auf unlasiertes Holz zu.

Praxis-Tipps für alle mit wenig Zeit und Geld

Zum Schluss noch einige Überlegungen, die Euch bei der Planung der sicheren Verwahrung Eurer Sammlung helfen können. Verpacken, Reinigen und Umpacken ist zeitaufwendig und bringt Anschaffungskosten mit sich. Wahrscheinlich könnt Ihr Eure Sammlung nicht in einem Durchgang bearbeiten, sondern müsst Euch nach und nach dem Bestand widmen. Deshalb:

  • Überlegt, welche Materialien am meisten von Bestandserhaltungsmaßnahmen profitieren können. Bei der Einschätzung können Euch die Aufzeichnungen Eures Findmittels helfen.
  • Fragt Euch: Welche Objekte zeigen starke Alterungserscheinungen, sind im schlimmsten Fall vielleicht sogar von Schimmel oder Schädlingen betroffen? Stehen die Chancen gut, dass sich das Objekt langfristig bewahren ließe, wenn man die Aufbewahrungssituation verbessert?
  • Wägt ab, ob es sich um einzigartige Objekte handelt, die Ihr unbedingt erhalten wollt, oder ob Ihr vielleicht doch nur auf die Digitalisierung setzt. Ein Beispiel: Zeitungsausschnitte sind nicht alterungsbeständig und lassen sich wunderbar digitalisieren. Auf Basis dieser Überlegungen könnt Ihr dann entscheiden, für welche Objekte sich die Anschaffung von Verpackungsmaterialien und die eingesetzte Arbeitszeit wirklich lohnen.
  • Macht Euch einen Zeitplan. Startet mit den Objekten, bei denen gleichzeitig Handlungsbedarf besteht und eine realistische Chance darauf, ihren langfristigen Erhalt zu sichern.
  • In Euren privaten Räumen werdet Ihr vermutlich nicht für alle Objekte Eurer Sammlung optimale Bedingungen schaffen können. Versucht ein gutes Mittelmaß zu finden und bei Bedarf Materialien getrennt voneinander aufzubewahren. Eine Temperatur um die 18 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 50 Prozent schaffen für die meisten Materialien vielleicht keine optimalen, aber zumindest ausreichende Bedingungen.

Die Inhalte des Kapitels wurden im Rahmen des Projektes „Digitales Archiv der Freien Darstellenden Künste“ erarbeitet.

Das Digitale Archiv der Freien Darstellende Künste ist ein Projekt der Initiative für die Archive der Freien Darstellenden Künste e.V. Es wird gefördert aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der 16 Bundesländer.

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