Honorare Berechnen
Was ist meine Arbeit wert? – Berechnung eines Tagessatzes
von Béla Bisom
Entwickelt im Rahmen der InfoPlus-Arbeitsgruppe „Was ist unsere Arbeit wert?“ mit Alexandra Schmidt, Bea Kieslinger, Béla Bisom, Mechtild Tellmann, Valérie Eckl
Stand: Juli 2026
Vorbemerkung: Bevor du diese Erläuterungen liest, versuche dich erst einmal einfach so an der Tabelle. Das meiste ist intuitiv verständlich. Probieren geht über Studieren! Wenn du dann noch Fragen hast, lies gerne hier weiter.
Links/Quellen
Excel-Vorlage: Wie berechne ich meinen Tagessatz? von Béla Bisom
Honoraruntergrenzen des BFDK
Bedarfsberechnung anhand einer Tabelle
Der hier vertretene Ansatz geht nicht auf die äußeren Faktoren wie Marktwert ein, sondern schaut darauf, was der individuelle, persönliche Finanzbedarf ist. Dieser kann nämlich ganz unterschiedlich sein, je nachdem, in welcher Lebenssituation ihr euch befindet. Ob ihr allein oder in einer WG, einer Partnerschaft oder bei den Eltern lebt, ob ihr Kinder habt oder nicht, ob ihr zusätzliche Einkommen habt oder nicht. Darüber hinaus berücksichtigt die Tabelle die unbezahlte Arbeit, die ihr als Selbstständige leisten müsst. Wenn ihr weitere Einkommen wie Unterhalt oder andere Jobs habt, könnt ihr diese in die Berechnung mit einbeziehen. Das Ergebnis ist eine persönliche Honoraruntergrenze, die sicherstellt, dass ihr auch langfristig in der Selbstständigkeit überleben könnt.
Die Datei besteht aus mehreren Reitern, in die man unterschiedliche Daten eingibt.
Bedarf
Im ersten Schritt füllt ihr im Reiter Bedarf alle Kosten für den privaten Lebensunterhalt sowie die beruflichen Kosten aus. Wichtig dabei ist, dass wirklich auch alle privaten Ausgaben hier vermerkt werden. Dazu zählen auch die Packung Kaugummi, der Kinobesuch der Kinder oder das Handy und die Waschmaschine, die nur alle paar Jahre neu gekauft werden müssen.
Die Tabelle ist keinesfalls vollständig, sondern sollte individuell angepasst werden. Zeilen können hinzugefügt oder gelöscht werden. (Achtet darauf, dass die Summen-Formeln in der Tabelle noch alle Werte umfassen!) Tragt in der Tabelle nur die realen Kosten ein, damit sich darauf dein realer Bedarf ablesen lässt! Am besten ist es, den Kontoauszug des letzten Jahres durchzugehen und die genauen Kosten daraus abzulesen.
Zu diesen Kosten muss natürlich auch die zu erwartende Einkommensteuer berechnet werden. In der Zeile „Einkommensteuer“ in der Spalte H ist eine ungefähre Berechnungsgrundlage des zu versteuernden Jahreseinkommens hinterlegt. Vorsicht, das ist nur eine einfache Schätzung (Gesamtkosten – berufliche Kosten) und keine garantierte Summe, sondern soll dir eine grobe Idee dafür geben, wie hoch die Steuer ungefähr sein könnte +/- ein paar Prozent. Über den Steuerrechner des BMF (Link siehe Reiter Tools) könnt ihr mit dieser Zahl euren durchschnittlichen Einkommen-Steuersatz berechnen.
Am Ende der Tabelle entsteht so ein Gesamtjahresbedarf, der erwirtschaftet werden muss, um das Leben zu führen, das ihr führen wollt. Hier könnt ihr euren Mehrwertsteuer-Prozentsatz angeben (0%/7%/19%) und sehen, wie hoch euer Umsatz inklusive der Mehrwertsteuer ist.
Der Reiter Bedarf Zusammenfassung dient lediglich zur Übersicht.
Fakturierbare Tage
Im zweiten Schritt werden die „fakturierbaren Arbeitstage“ berechnet, also die Tage, die ich in Rechnung stellen kann. Hier sind einige Zahlen als Vorschläge angegeben, die aber beliebig angepasst werden können.
Häufig vergessen ist die unbezahlte Arbeit. Das ist Arbeit, die ihr als Selbstständige machen müsst, die ihr aber niemandem direkt in Rechnung stellen könnt.
Hinweis: In anderen Berufen wird Selbstständigen empfohlen ca. 30 Prozent der Arbeitszeit in Netzwerken und Akquise zu investieren. Jede*r muss für sich selbst entscheiden, wie viel sie*er dafür verwenden möchte und kann. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass ein paar Tage pro Monat wichtig sind, um sich mit Kolleg*innen auszutauschen, laufende und kommende Projekte zu besprechen und den gemeinsamen Austausch zu pflegen.
Unter Administration ist das Schreiben von Rechnungen, das Beantworten von Briefen, die Meldung der Umsatzsteuer oder die Steuererklärung zu verstehen. Auch diese Zeit gehört zur Arbeitszeit, die aber niemand bezahlt.
Die „geblockte Zeit für andere Jobs“ berechnet sich automatisch aus der Tabelle Einnahmen.
Einnahmen
Im dritten Schritt gebt ihr ggf. eure anderen Einkommen an. Hier könnt ihr z.B. erhaltene Sozialleistungen wie Kindergeld und Rente sowie Unterhaltszahlungen angeben. Wenn ihr bereits andere geplante oder zugesicherte Jobs habt, könnt ihr das daraus entstandene (Netto-)Einkommen hier als projektweises oder regelmäßiges Einkommen (z.B. Festanstellungen) angeben.
Gebt zu jedem Job die Anzahl der Arbeitstage an, die ihr voraussichtlich für diesen Job insgesamt in diesem Jahr benötigen werdet. An diesen Tagen seid ihr bereits beschäftigt, weshalb sie als „geblockte Zeit für andere Jobs“ bei den Fakturierbaren Tagen angezeigt werden.
Achtung: Gebt hier die Tage an, die ihr nach Abzug der Urlaubs- und Krankheitstage an dem Job arbeitet (Reiter Fakturierbare Tage, Zeile 20)! Bei einer durchschnittlichen angestellten Person sind es z.B. 17,5 Tage/Monat.
Vom Tagessatz zum Stundensatz
Im Reiter Berechneter Tagessatz seht ihr euren individuellen Tagessatz. Wenn ihr daraus den Stundensatz berechnen wollt, könnt ihr die Anzahl der Stunden pro Tag eintragen.
Voreingetragen sind acht Stunden. Wenn ihr weniger oder mehr Stunden am Tag arbeiten wollt, könnt ihr hier eine andere Zahl eintragen.
Wer sich z. B. einen Teil des Tages um Kinder oder Angehörige kümmern muss, kann hier weniger ansetzen. Vielleicht könnt ihr nur fünf oder sechs Stunden wirklich produktiv arbeiten.
Achtung: wenn ihr auswärts arbeitet, z.B. für Unterricht, solltet ihr eure Anfahrtszeit im Stundensatz mitberechnen, da ihr in der Regel in dieser Zeit keine anderen Aufträge bearbeiten könnt. Hier solltet ihr entsprechende Aufschläge einplanen. Das gleiche gilt für eventuelle Vorbereitungszeit.
Umgang mit dem Ergebnis
Als ich die Tabelle selbst das erste Mal ausgefüllt habe, war ich sehr frustriert, weil ich das Gefühl hatte, dass der errechnete Tagessatz viel zu hoch sei und ich ihn niemals verlangen könnte. Doch nach Gesprächen mit Kollegen und gegenseitigen Ermutigungen habe ich es geschafft, dass mir mein Tagessatz mittlerweile leichter über die Lippen kommt. Jedes Mal, wenn ich meinen Tagessatz anpassen muss, muss ich ihn auch jedes mal wieder „üben“ auszusprechen.
Mein Tipp: Redet mit euren Kolleg*innen über euer Honorar! Insbesondere, wenn der Satz über den aktuellen empfohlenen Untergrenzen liegt. Das Sprechen über den eigenen Tagessatz ist sehr empowernd. So könnt ihr euch gegenseitig bei den Verhandlungen stützen. Etwaige Verschwiegenheitsregelungen sind – entgegen weitverbreiteten Annahmen – nicht bindend (siehe Entgelttransparenzgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz).